LEBEN UND WERK

Herbert Beck absolvierte in Leipzig zunächst eine Lehre als Goldschmied und nahm Zeichenunterricht bei Professor Max Schwimmer an der Kunstgewerbeschule für Graphik und Design. 1948, nach der Flucht aus der sowjetischen Zone an den Tegernsee, begann er als Autodidakt zu malen. In den 1950er Jahren stellte die Galerie Commeter in Hamburg seine Ölgemälde mehrmals aus. Auch Hanna Bekker vom Rath förderte Beck schon früh und richtete ihm in den 1960er Jahren mehrere Ausstellungen aus.

Die Bekanntschaft mit Emil Nolde beeinflusste Becks künstlerisches Schaffen. Fasziniert von der leuchtenden Farbkraft in Noldes Aquarellen begann Beck seine eigene, farbstarke Aquarell-Technik zu entwickeln. Auch in der Ölmalerei erzielte er durch extreme Verdünnung mit Terpentin einen aquarellhaften Charakter.

Becks Arbeiten stehen in einer deutschen Tradition des Expressionismus und weisen Tendenzen ins Mythische und Magische auf. Thematisch umfasst das Oeuvre Landschaften, Stillleben und figürliche Kompositionen. Religiöse Themen nehmen durch die Jahrzehnte hinweg immer wieder eine wichtige Rolle ein; die Auseinandersetzung mit seinen Kriegserlebnissen spiegeln sich in zahlreichen Werken wider. Auch Becks Vorliebe für Jazz und klassische Musik durchziehen als formale Inspiration das gesamte Werk. In den späten 1970er Jahren entwickelte Beck eine spezielle Technik, die auf Zufallsprinzip beruhte. Daraus entstanden die “Miniaturen”, kleinformatige Aquarelle mit poetischem und narrativem Charakter.

1984 wurde Beck durch die vielen Jahre des Einatmens von Terpentindünsten während der Arbeit an seinen Ölgemälden ernsthaft krank. Nach seiner Genesung konzentrierte er sich nur noch auf die Aquarellmalerei. In den letzten Schaffensjahren entstand ein Zyklus von Aquarellen, die er „Gesichter der Welt“ nannte. Mit den oft schockierenden, entlarvenden Darstellungen von Tätern und Opfern formulierte er seine Idee vom Menschen im 20. Jahrhundert. Auch seine Landschaftsdarstellungen entwickelte er weiter zu den abstrakten, aus räumlichen Farbstufen bestehenden “Meditativen Landschaften”. 2010 verstarb der Künstler mit 90 Jahren in Tegernsee nach kurzer Krankheit.

 
 

BIOGRAFIE

1920
Paul Herbert Beck wird am 29. Januar in Leipzig als Sohn von Hermann Beck (Juwelier) und Hildegard Beck, geb. Eifler, geboren.

1936–1939
Ausbildung zum Goldschmied.

1940–1945
Wehrdienst in Russland (Musikkorps). Es entstehen erst freie Zeichnungen und Aquarelle, er schreibt Gedichte.

1946–1946
Besuch der Zeichenklasse von Professor Max Schwimmer an der Leipziger Akademie für Graphik und Bildkunst.

1948
Flucht aus Leipzig. Er erwirbt am Tegernsee ein Haus mit kleinem Atelier und widmet sich ausschließlich der Malerei. In den folgenden Studienjahren unternimmt er mehrere Studienreisen nach Italien und Südfrankreich.

1949
Heirat mit Gisela Werthschitzky, mit der er zwei Töchter und einen Sohn bekommt.

1952
Erste Ausstellung in der bekannten Galerie Commeter in Hamburg, weitere werden folgen. In dieser Galerie trifft er Emil Nolde, dessen Arbeiten ihn faszinieren, und er beginnt, sich verstärkt mit der Aquarelltechnik zu beschäftigen.

1954
Ausstellungen im Kunstsalon Olai, Stockholm, und im Museum Norrköping in Schweden.

1953–1965
Beck findet für seine Kriegs-und Nachkriegserlebnisse bedrohliche und apokalyptische Bildvisionen.

1956
Einzelausstellung in der Galerie Marcel Bernheim, Paris.

1958–1965
Im Hause der Sammlerin Meta Gadesmann in Rottach-Egern findet Beck einen Austausch mit Kunstinteressierten. Hier lernt er die Sammlerin und Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath kennen, die seine Arbeiten sehr schätzt.

1959
Beteiligung an der Ausstellung Pintura Alemana Contemporanea, die im Prado, Madrid und in den Salas de Santa Catalina, Barcelona, zu sehen ist.

Ab 1960
Ausstellungen in der Galerie Utermann, Dortmund, und im Kunsthaus Bühler, Stuttgart; ab 1992 auch in der Galerie Hyna, Rottach-Egern.

1966–1984
Die Ölgemälde grenzen sich zu den Aquarellen durch ihre gebaute Komposition ab.

Ab 1976
Atelier in Laigueglia, Italien, wo er im Jahr mehrere Monate verbringt. Die südländische Landschaft beeinflusst seine Themenwahl.

Um 1976
Es entstehen die ersten Miniaturen.

1984
Beck erkrankt schwer, die Nervenerkrankung, hervorgerufen durch das ständige Einatmen von Terpentin, das er zum Verdünnen seiner Ölfarben einsetzte, macht es ihm über ein Jahr unmöglich zu arbeiten.

1985
Nach seiner Genesung gibt er die Ölmalerei auf und konzentriert sich ausschließlich auf die Malerei mit Aquarellfarben.

1988/89
Ingrid und Leonard Hutton besuchen sein Atelier am Tegernsee und organisieren eine Einzelausstellung in den berühmten Hutton Galleries in New York.

1992
Der Zyklus Eigene Welten mit seinem großformatigen, magisch-surrealen Landschaften entsteht.

Seit 1994
Ausstellung in der Galerie Beck & Eggeling, Düsseldorf.

1996
Das Kunstmuseum Ahlen ehrt den Künstler mit einer Retrospektive.

1997
Entwicklung der Meditativen Landschaften.

2000
Der Zyklus Faces of the World entsteht. Die Köpfe und Gesichter spiegeln die Vielfältigkeit und Individualität menschlichen Lebens wider.

2009
Die ArtMia Foundation in Peking widmet dem Künstler eine Einzelausstellung und zeigt einen retrospektiven Querschnitt sein Œuvres.

2010
Beck verstirbt am 27. Dezember nach kurzer Krankheit in Tegernsee.

2012
Ausstellung in der Galerie Connaught Brown, London.

2013
Ausstellung Herbert Beck – Magie der Farbe im Kloster Bad Schussenried.

2014
Ausstellung Nolde & Beck in der Galerie Connaught Brown, London.